Bleaching II: Aktivkohle – ist das organische Wundermittel gefährlich?

Aktivkohle ist schon seit langer Zeit bekannt für seine vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten. Neben der Anwendung als Material für Elektroden, Lebensmittelfarbe, Katalysatorenträger oder Wärmebeutel ist die besondere Kohle vor allem für seine reinigende Wirkung bekannt. Daher wird Aktivkohle auch häufig in Filtern und anderen Regierungssystemen verwendet. Ob in Filtern für Aquarien, Teiche, Atemschutzmasken oder Zigaretten, überall findet man den Stoff, der neuerdings immer mehr mit Bleaching und Zahnhygiene in Verbindung gebracht wird.

Die medizinische Kohle ist fast wie ein Schwamm, der alle Gift- und Schadstoffe aufsaugt. Der Grund dafür ist die raue Oberfläche. Je rauer eine Oberfläche, desto mehr Platz bietet sie, um Fremdstoffe zu binden. Aktivkohle ist so feinkörnig und porös, dass die Oberfläche von zwei Gramm so groß ist wie die von einem Fußballfeld. 

Nun überschwemmen Aktivkohle-Produkte den Markt für Zahnaufhellung oder auch Bleaching. Nahezu jedes Bleaching-Produkt, dass klassischerweise mit Peroxid-Wirkstoff verkauft wurde, bekam in den letzten Jahren ein Pendant mit Aktivkohle. Neben herkömmlicher Zahnpasta gibt es auch Bleaching-Strips, Bleaching-Gel aber auch reine Aktivkohle in Pulverform. Jedoch sind die neuen organischen Alternativen höchst umstritten.

Während manche auf das neue Mittel zur Zahnaufhellung schwören, raten andere vehement davon ab. Die Befürworter dieser Bleaching-Variante berufen sich auf den säubernden Effekt, wie oben geschildert. Die Gegner argumentieren, dass die schwammartige Wirkung ausbleibt und dass die Kohle durch ihre raue Oberfläche die Zähne abreibt. 

Im Fall der Zahnpasta bemängeln Kritiker, dass durch die Vermengung mit der Zahnpasta die schwammige Oberfläche der Aktivkohle gesättigt würde. In diesem Fall könne die Aktivkohle keine weiteren Stoffe abtragen und als Effekt bleibt nur der Abrieb. Normale Zahnpasta enthält auch häufig Mikrogranulat oder andere Stoffe, um Verfärbungen und Belag abzureiben. Aktivkohle hat allerdings einen höheren Abrieb. Der Abrieb wird mit dem RDA-Wert (Relative Dentin Abrasion) gemessen. Viele dieser neuen Aktivkohle-Zahnpasten sind bisher noch nicht getestet. Manche bereits getestete Aktivkohlepulver haben einen RDA von 70 bis 90. Dies ist zwar schon im bedenklichen Bereich, aber im Vergleich mit den schlimmsten herkömmlichen Alternativen noch relativ niedrig. Dennoch ist davon abzuraten, täglich Zahnpasta oder Zahnprodukte zu nutzen, die einen solchen RDA-Wert aufweisen. Dies kann zur Aufrauhung und Abtragung des Zahnschmelzes führen, der, so geschädigt, sich schneller verfärbt und schneller erkrankt. Man sollte also darauf achten, dass die Produkte getestet sind und am besten das mit dem niedrigsten RDA-Wert auswählen.

Im Fall von Zahnpasta liegt der Idealwert bei etwa 50 bis 60 RDA, wobei aber alles von 40-80 normal ist. Alles was über einem RDA von 80 liegt hat also einen zu starken Abrieb und alles was unter 40 liegt einen zu schwachen. Aktivkohle liegt über den Idealwerten und ist daher nicht für das tägliche Zähneputzen geeignet, allerdings kann das Pulver angewendet werden, um zusätzlich zum Zähneputzen die Zähne aufzuhellen.

Der sicherste Weg zu weißen Zähnen ist jedoch eine gute Routine, wenn es um Zahn- und Mundhygiene geht. Im nächsten Artikel geht es um die beste Routine für weißere und gesündere Zähne.